Schnelligkeit steigert Heilungschancen beim Schlaganfall

Die Referenten: (v.l.n.r.) Dr. Franz Weilbach, Chefarzt der Neurologie, Klinik Bavaria, Bad Kissingen; Dr. Regine Rieß, Neurologin, Klinik Kitzinger Land; Christina Dümler-Karwath, Pflegeteam Intensivstation, Stroke Unit; Prof. Dr. Arnd Dörfler, Abteilung für Neuroradiologie, Universitätsklinikum Erlangen und Chefarzt Dr. Wolfgang Karmann (Abteilung für innere Medizin).

Er trifft einen unerwartet und sieht in vielen Fällen erst einmal harmlos aus- der Schlaganfall. Etwa 270.000 Fälle gibt es jährlich in Deutschland-  40.000 alleine in Bayern. Eine alarmierende Zahl, bedenkt man, dass durch den gefährlichen Hirninfarkt oder eine plötzlich auftretende Hirnblutung ganze Hirnareale binnen weniger Minuten bis Stunden absterben: Ein irreparabler Verlust.

Wie man Krankheitssymptome erkennt, wie man im Ernstfall handeln muss, wie eine Behandlung verläuft und wie man sich wieder ins Leben zurückkämpfen kann– darüber sprachen Spezialisten in der Klinik Kitzinger Land vergangenen Samstag.

„Im Ernstfall zählt jede Minute“, erklärte Dr. Regine Rieß den knapp 100 Besuchern. Oft erkennen Betroffene und Angehörige die Symptome nicht sofort, denn sie können sich als plötzliche Probleme beim Sprechen,  Einschränkung der Bewegungsfähigkeit oder Schwierigkeiten beim Sehen äußern. Deshalb sei es wichtig, schon bei einem Verdacht nicht zu zögern und den Notruf abzusetzen. Mit Hilfe der Computer Tomographie (CT) kann in kürzester Zeit eine Diagnose gestellt und der Betroffene behandelt werden. Nach dem Auftreten der ersten Symptome sollte möglichst schnell (maximal 4,5 Stunden) eine mögliche Lysetherapie durchgeführt werden, falls der Schlaganfall durch ein verschlossenes Gefäß (Thrombus) verursacht wurde.

„Die Schlaganfallbehandlung hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert“, erklärte Dr. Regine Rieß. „Altbewehrte Blutverdünner wie Marcumar werden durch neue Medikamente wie Xarelto oder Pradaxa ergänzt und bieten eine noch individuellere Behandlung jedes Einzelnen. Vor allem aber durch die Thrombolysebehandlung besteht die Möglichkeit Folgeschäden im Akutfall gering zu halten“, so die Neurologin weiter.  Wichtig zur Vorbeugung seien auch eine gesunde Ernährung, der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und fettreiche Ernährung sowie eine ausreichende Bewegung.

Katheterintervention sehr effektiv

Tritt der Fall der Fälle ein, hilft in manchen Fällen auch eine Katheterintervention. Genau wie die Thrombolyse hat sie das Ziel das verstopfte Blutgefäß zu öffnen um die Blutversorgung des Gehirns wiederherzustellen. Bei diesem Verfahren wird ein Katheter durch die Leiste eingeführt und das Blutgerinnsel, das sich in den Hals- oder Kopfgefäßen befindet,abgesaugt. Die Erfolgsrate ist hoch. In 80 Prozent der Fälle kann ein Gefäß so rekanalisiert werden. Nach Diagnosestellung durch das CT zeigt sich, ob solch eine Behandlung für den Patienten in Frage kommt. „Leider eignet sich diese Therapieform nicht für jeden“, erklärte Prof. Dr. Arnd Dörfler. In der Regel seien es nur etwa 20 Prozent aller Schlaganfallpatienten, so der Professor weiter. Er erklärte: „Es wird abgewogen, welche Hirnareale betroffen sind, wie groß die Thromben und beteiligten Gefäße sind und wie viel Hirnmasse noch zu retten ist. Erst dann wird eine Entscheidung getroffen“.  

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Frauen haben ein durchschnittlich 20 Prozent höheres Risiko im Laufe ihres Lebens einen Schlaganfall zu erleiden. Sie leben länger und sind damit auch gefährdeter, da der Bluthochdruck ebenfalls mit  dem Lebensalter steigt. Weitere Risikofaktoren sind der Diabetes mellitus Typ 2 oder Migräne mit Aura. Aber auch jüngere Frauen seien durch Übergewicht, die Einnahme der Pille sowie nach einer Schwangerschaft bedroht, erklärte Christine Dümler-Karwath in ihrem Vortrag. Vor allem in Kombination steigern Übergewicht,  Rauchen und Hormone die Schlaganfallgefahr erheblich.

Im Fall der Fälle werden Betroffene vom Schlaganfallteam um Chefarzt Dr. Wolfgang Karmann in der Klinik Kitzinger Land umfassend betreut. Nach der Notversorgung kümmern sich die Pflegekräfte der Stroke-Unit (Schlaganfalleinheit) um den Patienten. Physio-, Ergotherapeuten und Logopäden sind ab der ersten Minute der Behandlung mit dabei und erstellen einen Plan zur Rehabilitation. Auch hier gibt es einige Neuerungen, die Dr. Franz Weilbach erläuterte. Ganz neu und deutschlandweit einzigartig verfügt die Klinik Bavaria über zwei Roboter-Gangtrainer. Mit ihnen kann das Laufen geübt werden. Gerade bei Patienten mit einer Halbseitenlähmung nach Schlaganfall ist diese Methode vielversprechend.

Nach der Therapie in der Akut- und Rehaklinik gibt es Hilfemöglichkeiten für Betroffene, die Ursula Peichl vom Zentrum für Aphasie und Schlaganfall in Würzburg vorstellte. Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen können eventuell auftretende Probleme auffangen und Ansprechpartner vermitteln, damit Patienten und ihre Angehörigen mit dem Schicksalsschlag nicht alleine dastehen.  Auch in Kitzingen gibt es eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall und Aphasie. Sie trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat in der Klinik Kitzinger Land. Alle Betroffenen und deren Angehörige sind herzlich willkommen. Weitere Informationen im Internet unter www.aphasie-unterfranken.de.

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